Die Cloud ist mittlerweile in aller Munde, ob Apple iCloud, Microsoft Skydrive, Google Drive, Dropbox und Konsorten. Viele lieben die damit verbundenen Vorteile, für viele ist es das Ende der Privatsphäre,
Eines der häufigsten genannten Argumente gegen einen öffentlichen Clouddienst ist der Kontrollverlust über die eigenen Daten.
- Was passiert mit meinen Daten?
- Wo liegen sie?
- Wer hat darauf noch alles Zugriff?
Cloud ≈ Bank?
Mein gesamtes Geld liegt bei meiner Bank, welcher ich natürlich vertraue. Ich habe jederzeit Zugriff auf mein Geld, kann meine Konten von zuhause aus durchsehen und frei über das Geld verfügen.
Es ist absolut sicher und niemand hat sich bisher an meinem Geld in der Cloud auf dem Girokonto ungefragt bedient.
Niemand würde heute noch ernsthaft auf die Idee kommen, kein Girokonto zu verwenden und das Geld aus Angst vor Missbrauch und zu neugierigen Blicken unterm Kopfkissen zu lagern.
Rechenzentrumtechniker ≈ Kundenberater?
Nun hatte ich die Tage ein interessantes Gespräch mit einem jungen Bankmitarbeiter, der auch in der Beratung und Betreuung seiner Kunden tätig ist.
Er erzählte mir, er habe Zugriff auf alle Kundenkonten seines Arbeitgebers und dass er – vorallem wenn gerade nichts zu tun sei – sehr gerne in den Konten stöbere und sich die verschiedensten Kontenbewegungen anschaue.
Ohne auf die Identitäten der Personen einzugehen erzählte er dabei von lustigen Überweisungsbetreffzeilen, von verdammt reichen Freunden, denen er den Reichtum nie ansehen würde und von regelmäßigen und erstaunlich hohen Spenden an irgendeinen kleinen Verein.
Letzendlich sei es sehr interessant, was man als Bankmitarbeiter so erfahren kann, aber natürlich diskret behandeln müsse.
Datenschutz oder nur Diskretion?
Zurück zur Datencloud: Ja, ich denke meine Daten sind in der Cloud sicher.
Ich kann jederzeit auf meine Daten zugreifen und völlig frei darüber verfügen.
Und wenn wir das Prinzip der Banken auf die Datencloud übertragen: Ja, womöglich sitzt auch dort ein neugieriger Mitarbeiter im Rechenzentrum, der sich gerne – natürlich völlig diskret – die privaten Daten, Fotos, Dokumente und Rechnungen der Kunden ansieht.
Ich finde es jetzt nicht mal so tragisch, wenn ein Bankberater jederzeit in meine Girokonten schauen kann. Bedenklich, aber keine Katastrophe.
Eine Katastrophe fände ich es, wenn dies wirklich bei den Datenclouds der Fall wäre.
Aber in einigen Jahren, wenn es völlig normal ist, alle Daten in der Cloud zu speichern und niemand mehr auf die Idee kommen würde, seine Daten zu Hause unterm Kopfkissen zu lagern, dann wird es wohl auch niemanden mehr stören, wenn die Datenberater beim Cloudservice des Vertrauens jederzeit in die Daten der Kunden schauen können.
Digital Native, hauptsächlich Coder, manchmal Serverschrauber.